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Der Wahnsinn in den Bergen...

Der Erste Weltkrieg in den Dolomiten



Kriegsschauplatz Dolomiten (1915 bis 1918)

Trotz des bestehenden Bündnisses mit dem Deutschen Reich und Österreich Ungarn (Dreibund), trat Italien im Mai 1915 auf Seiten der Entente in den Krieg ein. Österreich-Ungarn hatte die Grenze zu Italien relativ gut befestigt. Die Anlagen, mit deren Bau 1838/1840 begonnen worden war, waren 1915 allerdings zum Teil bereits veraltert. Außerdem waren die Stellungen zunächst nur schwach mit Landwehrtruppen besetzt.

Verlauf der österreichisch-ungarische Befestungsanlagen in den südlichen Alpen

  • Ortlergebiet (in Gomagoi und Nauders)
  • Tonalepass (Passo del Tonale)
  • Judikarien (Valle Giudicárie)
  • Etschtal (Val d’Adige)
  • Suganatal (Valsugana)
  • Caldonazzosee (Lago di Caldonazzo)
  • Fleimstal (Val die Fiemme)
  • Lusiapass zum Monte Mesola und bis Gottrestal im Pustertal und weiter zur Kärntner Grenze

Der Gebirgskrieg

Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen in den Dolomiten handelte es sich um einen Stellungskrieg im großen Stil in äußerst schwierigem Gelände. Die Heeresverwaltungen beider Seiten standen vor besonderen Anforderungen. Beispielsweise mussten Nachschublieferungen (Waffen, Munition, Wasser, Verpflegung, Brennholz, Futter für Pferde und Maultiere usw.) aufwendig organisiert werden. Nicht selten geriet die Versorgung ins Stocken und die Soldaten blieben ohne Wasser, Proviant oder Munition. Bei den Transporten kamen anfänglich Maultiere und Pferde zum Einsatz, später wurden auch eigene Seilbahnen errichtet. Ebenso schwierig bis unmöglich war die Bergung von Verletzten, Kranken und Verwundeten. Bedrohlich waren nicht nur die gegnerische Angriffe, sondern vor allem die alpinen Naturgefahren, wie Felssturz, Lawinen usw. sowie die Absturz- bzw. Unfallgefahr. Derartige Ereignisse forderten im Gesamtverlauf des Gebirgskrieges mehr Menschenleben als die Kampfhandlungen selbst. Die Ausrüstung der Soldaten lässt sich in keinster Weise mit heutigen Materialien, die beispielsweise im Bergsport zum Einsatz kommen, vergleichen. Den Soldaten wurden enorme Anstrengungen und Entbehrungen abverlangt. Beide Seiten kämpften mit disziplinarischen Schwierigkeiten und sinkender Kampfmoral, die nicht selten bis zur Deseration gingen. Innerhalb der italienischen Truppen herrschten zudem häufig Uneinigkeiten zwischen Nord- und Süditalienern.
Während in den Dolomiten in erster Linie so genannte Halteschlachten geführt wurden, fanden die wesentlichen Kriegsereignisse zwischen Österreich-Ungarn und Italien in den Julischen- und Karnischen Alpen statt. Die Verluste dieser, auch Isonzo- bzw. Piaveschlachten genannten Kampfhandlungen, standen in keinerlei Relation zu den militärischen Erfolgen, die erzielt (oder auch sehr oft nicht erzielt) wurden. Nach dem Gasangriff österreichisch-ungarischer Truppen zu Beginn der zwölften Isonzoschlacht, brach die italienische Front auch im Hochgebirge zusammen. Österreichisch-ungarische und deutsche Truppen drangen daraufhin bis an den Piave vor.
Zwischen dem Stilfser Joch und dem Piave blieb die Gebirgsfront bis 1918 bestehen, wo im Oktober die österreichisch-ungarische Front im Zuge der Schlacht von Vittorio Veneto zusammenbrach.
Der Gebirgskrieg hatte sich insgesamt als äußerst aufwendig, verlustreich und – im Hinblick auf militärische Erfolge – als wenig erfolgreich erwiesen.

Die Propaganda

Durch die größere Reichweite von Medien und durch neue Techniken wurde die Propaganda im Ersten Weltkrieg von allen Mächten verstärkt betrieben und hatte auch große Wirkung. Erstmals kamen neben Plakaten, Flugplättern und Zeitungen auch Propagandafilme und Wochenschauen zu Einsatz. Die Künstler Egon Schiele und Albert Paris Gütersloh arbeiteten beispielsweise an der Kriegsausstellung von 1917 im Wiener Prater mit. Unter den Mitgliedern der Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers finden sich klingende Namen, wie Albin Egger-Lienz, Oskar Laske, Alexander Kircher und Oskar Kokoschka.
Ziel der Propaganda war es die eigenen Kampftruppen heroisch und siegreich zu präsentieren und die Kriegsgegner herabzuwürdigen bzw. lächerlich zu machen. Daraus entstammt beispielsweise das noch heute in Österreich verbreitete Vorurteil von der „Feigheit der Italiener“.

Propagandamaterial, insbesondere Fotografien von den Kriegsschauplätzen in den Dolomiten, tragen auch gegenwärtig noch zu einer Verherrlichung und Romantisierung des Gebirgskrieges bei.

Relikte des Gebirgskriegs

Vielerorts stößt man in den Dolomiten auch heute noch auf Relikte des Gebirgskriegs. Beispielsweise sind viele der Befestigungsanlagen, Straßensperren, Bunker usw. noch erhalten und können besichtigt werden. In den 1950er Jahren wurde der Friedensweg, ein 500 Kilometer langer Weitwanderweg durch die Dolomiten angelegt, der vielfach auf ehemaligen Militärpfaden des Ersten Weltkriegs verläuft. Es handelte sich dabei um ein Versöhnungsprojekt zwischen Tirol und Italien. Neben den errichteten Denkmälern, sind auf diesem Höhenweg auch immer noch die Befestigungen, Kavernen und Schießscharten erkennbar und allerorts kann man auf rostige Granatsplitter stoßen.

Hintergrundwissen zum Ersten Weltkrieg
Als Auslöser des Ersten Weltkriegs gilt die Ermordung des österreichischen-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914. Daraus entwickelte sich zunächst eine auf den Balkan begrenzte kriegerische Auseinandersetzung zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien. Allerdings kam gleichzeitig ein umfangreiches europäisches Bündnissystem zum Tragen, welches eigentlich den Frieden in Europa hätte stabilisieren sollen. Innerhalb weniger Tage befanden sich Österreich-Ungarn, das Deutsche Reich, das Osmanische Reich und Bulgarien (Mittelmächte) auf der einen Seite sowie Großbritannien, Frankreich und Russland (Ententemächte) auf der anderen Seite im Krieg. Bis zum Ende des Kriegs 1918 waren 40 Staaten involviert und bis zu 70 Millionen Menschen nahmen aktiv an den Kampfhandlungen teil (betroffene Zivilisten nicht eingerechnet). Insgesamt kostete der Erste Weltkrieg 17 Millionen Menschen das Leben. Durch Grenzverschiebungen und durch den Zusammenbruch von Organisationsstrukturen zu Kriegsende waren zigtausende Menschen in Bewegung. Viele verloren ihre Heimat bzw. waren gezwungen ihre Heimat zu verlassen.

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